Bionahwärme Bechtenrot e.V.



Jahr: 2008
Platzierung: Erster Platz
Kategorie: Initiative
Preisträger: Bionahwärme Bechtenrot e.V.
Innovation:

Die Idee, mit der Abwärme aus einer Biogasanlage eine Fernwärmeversorgung aufzubauen, ist nicht neu. Bundesweit von sich reden gemacht hat beispielsweise der Ort Mauenheim im Kreis Tuttlingen, dessen Bewohner sich durch die Nutzung von Biogas und anderer erneuerbarer Energiequellen komplett unabhängig gemacht haben. Neu ist jedoch, dass Nutzer ein Leitungsnetz gemeinschaftlich aufbauen, sie alle gleichviel Geld für die Wärmelieferungen bezahlen und Landwirte kostenlos Wärmeenergie abgeben. „Der Gewinn für alle ist die Einsparung von CO2“, sagt der beteiligte Landwirt Adalbert Harder. Er und seine Berufskollegen Karl-Josef Hermann, Alois Högerle und Ottmar Steck haben 1999 als Rottal GbR einen neuen Stall für insgesamt 140 Milchkühe mit Nachzucht errichtet. 2005 sahen sie sich durch das Erneuerbare Energien Gesetz motiviert, eine Biogasanlage zu bauen. Fermentiert werden darin die Gülle ihrer Rinder und der Aufwuchs von Maisäckern und von Wiesen, der nicht für die Fütterung der Herde benötigt wird. Mit dem Biogas wird ein Blockheizkraftwerk befeuert, das jährlich rund drei Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt.
Die vier Landwirte waren von Anfang an unzufrieden damit, dass die Abwärme aus dem Blockheizkraftwerk ungenutzt entweicht. Im März 2006 sprach Harder deshalb seinen Nachbarn Lothar Thome an, was er davon halte, ein Fernwärmenetz für Bechtenrot aufzubauen. Qualifiziert als Schreiner und Zimmerer ist Thome als Einrichtungsplaner in der Erolzheimer Möbelfirma Kohler „Natürlich Einrichten“ beschäftigt. Lothar Thome, der allen Themen rund um Umweltschutz aufgeschlossen ist, griff die Idee der Landwirte auf und initiierte zusammen mit ihnen und potenziellen Nutzern die Gründung des Vereins Bionahwärme Bechtenrot e.V., dessen Vorsitzender und Geschäftsführer er auch ist. Die Mitglieder begannen im November 2006 mit dem Bau der insgesamt 1500 Meter langen Leitungsrohre, wobei sie einen großen Teil der Arbeiten selbst leisteten. Der Verein investierte insgesamt 165.000 Euro (per Kredit), um 17 Häuser anzuschließen, und ist Eigentümer des Leitungsnetzes und der Übergabestationen. Unabhängig davon wie lang die jeweilige Anschlussleitung von der Hauptleitung zu den einzelnen Häusern ist und wie viel Wärme die Nutzer in Anspruch nehmen, tilgen sie den Kredit über einen einheitlichen Mitgliedsbeitrag in Höhe von 125 Euro im Monat. Lothar Thome leistet die Geschäftsführung ehrenamtlich. „Wir haben eine Idee umgesetzt, bei der es nur Gewinner gibt“, sagt er. Das Konzept, die Wärmeversorgung als Solidargemeinschaft zu schultern, ist bundesweit einzigartig, stellten die Juroren fest. Sie würdigten die Initiative in mehrfacher Hinsicht: Die Teilnehmer können eine relativ kostengünstige Heizung in Anspruch nehmen und leisten zusammen mit den Landwirten einen Beitrag zum Umweltschutz. Die Bechtenroter zeigten Wege auf, bei steigenden Energiepreisen und angesichts des Klimawandels Energie effizient zu nutzen. Als weitere positive Effekt lobten die Juroren die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls im Dorf und dass der Verein Pionierarbeit geleistet hat, ein solches Projekt baurechtlich auf sichere Füße zu stellen.

Lobend erwähnten die Juroren auch die große Aufmerksamkeit, die die Initiative bereits erlangt hat. Regionale Medien haben darüber berichtet, Schülergruppen und Fachleute aus Chile, aus Italien und Frankreich haben sich vor Ort informiert.

 



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