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Bundesweit nutzen Forstunternehmen und Waldbesitzer rund 100000 Forstseilwinden, um gefällte Baumstämme aus dem Wald zum Holzlagerplatz oder zur Verladestation zu ziehen. Diese Maschinen, die in der Regel im genormten Dreipunktanbau am Schlepper angekoppelt werden oder fest aufgebaut sind, sind einer sehr starken Beanspruchung ausgesetzt. Die maximale Zugkraft der Winde, die Unversehrtheit des Stahlseils, die Reaktionszeit von Kupplung und Bremse und deren Haltekraft sowie andere Aspekte der Funktionalität müssen deshalb gemäß nationaler und internationaler Rechtsvorschriften (Unfallverhütungsvorschriften der Versicherungsträger und EG-Maschinenrichtlinie) regelmäßig überprüft werden, wobei die Maschinen entsprechend der Vorgaben des Herstellers wieder eingestellt werden. Bislang war das eine extrem zeit- und kostenaufwändige Angelegenheit, weil die Waldbesitzer und Forstunternehmer die Seilwinde dafür ins Werk oder in eine befähigte Vertragswerkstätte bringen mussten. Die drei zentralen Voraussetzungen dafür, dass eine Forstseilwinde zuverlässig funktioniert, die maximale Zugkraft, die Reaktionszeit des Systems und die Bremshaltekraft zu prüfen und zu justieren ist messtechnisch sehr aufwendig und war bislang sogar nur im Werk oder im Prüfinstitut des Kuratoriums für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) in Groß-Umstadt möglich.
Dass eine Forstseilwinde einwandfrei funktioniert, ist aus verschiedenen Gründen wichtig. Es muss gewährleistet sein, dass ein Baumstamm in die gewünschte Richtung über den Waldboden rutscht und die Bremse der Winde bei Beendigung des Zugvorganges sofort reagiert, um Schäden an Bäumen, am Aufwuchs und am Boden zu vermeiden. Bei eingeschränkter Funktion ist auch die Sicherheit der Waldarbeiter in erheblichem Maß gefährdet. Dem Waldarbeiter steht also ein exakt richtig eingestelltes Arbeitsgerät zur Verfügung.
Der Landmaschinenmechanikermeister Johannes Baur, Ernst Riedel von der Berufsgenossenschaft Baden-Württemberg und der KWF-Prüfingenieur Ekkehard Debnar haben nun ein mobiles Prüfsystem entwickelt, das die maximale Zugkraft, die Reaktionszeit der Brems-kupplungsüberschneidung und die Haltekraft der Bremse einer Seilwinde misst, und zwar mit bisher nicht da gewesenem geringem Zeitaufwand und sehr hoher Präzision. Der Prüfstand selbst besteht aus einem profilierten Stahlrahmen, einem komplexen Hydrauliksystem und einer speziellen Elektronikeinheit. Der gesamte Prüfvorgang wird dabei manipulationssicher elektronisch aufgezeichnet. Der jeweilige Prüfer erstellt dabei als Nachweis für diese sicherheitstechnische Überprüfung wird ein anerkanntes und unterzeichnetes Messprotokoll auf Papier.
Der Produktname RIBADE ist aus den jeweils beiden Anfangsbuchstaben der Nachnamen seiner Erfinder zusammen gesetzt.
Nach zweijähriger Entwicklungs- und Erprobungszeit hat der Prüfstand in diesem Jahr Marktreife erlangt und wird von der Firma Schick & Baur Landtechnik mit Sitz in Achstetten, deren Mitinhaber Johannes Baur ist, gefertigt und vertrieben. Die Firma bezieht die Stahlteile der Trägerkonstruktion von einem Fachunternehmen aus Erbach nahe Ulm und komplettiert den Prüfstand mit der Messeinheit in ihrer Werkstätte.
Der Verkaufspreis beträgt netto rund 4800 Euro.
Der Prüfstand wurde auch beim Neuheitenwettbewerb der 11. INTERFORST-Messe in München im Juli mit der KWF-Innovationsmedaille prämiert. Die Juroren betonten: Die Innovation bewirkt eine Kostenersparnis für die Nutzer, liefert präzise und vergleichbare Prüfergebnisse, die über einen angeschlossenen PC dokumentiert und ausgedruckt werden können. |