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Weinreben lieben kargen Boden. Denn je härter sie um Wasser und Nährstoffe kämpfen müssen, umso besser werden die Trauben und damit der Wein. Reben mögen es auch bergig. Denn an einem Hang fallen mehr Sonnenstrahlen senkrecht ein als auf ein Stück Land in der Ebene. Zudem fließt in solchen Lagen das Regenwasser rasch ab. Und natürlich ist es am besten, wenn ein Hang nach Süden abfällt. Ein 30 Grad steiler Südhang beispielsweise empfängt fast doppelt so viel Strahlungswärme als ein entsprechender Nordhang. Daher wächst in steilen Südlagen wie dem Ihringer „Winklerberg“ im Bereich Kaiserstuhl, dem Freiburger „Schloßberg“ im Bereich Breisgau oder dem Durbacher „Plauelrain“ und dem Oberkircher „Hungerberg“ im Bereich Ortenau mit das Beste, was Baden zu bieten hat.
Die Bewirtschaftung solcher Steillagen ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. Denn sie können nicht mit Schleppern befahren werden. Winzer, die in solchen Reben alle Arbeiten von Hand erledigen, kalkulieren einen Zeitaufwand von jährlich rund 1500 Stunden. In befahrbaren Anlagen hingegen fallen 400 bis 450 Stunden an, bei maschineller Traubenlese sogar nur 250. An vielen Orten werden solche Weinbergslagen deshalb durch Querterrassierung umgestaltet. Wo der Untergrund zu felsig oder das Gefälle zu stark ist, ist das allerdings nicht möglich. Zur Mechanisierung solcher Lagen hat der Winzer Josef Obrecht aus dem Oberkircher Ortsteil Bottenau einen wesentlichen Beitrag geleistet. Selbst bewirtschaftet er einen Weinbaubetrieb mit einer Fläche von vier Hektar, wovon drei Hektar nicht oder nur mit hohem Gefährdungsrisiko befahrbar sind. Bereits Anfang der 1980er Jahre hat sein Vater Georg Obrecht ein Seilwindensystem konstruiert, wobei ein Geräteträger am Weinbergshang entlang bewegt wird. Josef Obrecht hat 1997 diese Grundkonstruktion weiter entwickelt und 1999 für den Vertrieb die Firma Obrecht Weinbautechnik gegründet. Grundprinzip des Systems ist: Ein seilgezogener Vierrad-Geräteträger oder Satellit, wie Josef Obrecht sagt, ist mit einem Motor für den Antrieb von Geräten und Maschinen ausgestattet, einer Allradlenkung, einem schwenkbarem Führerstand und einer Notbremseinrichtung. Am Satelliten können Geräte und Maschinen angebracht werden für die verschiedenen Arbeitsgänge wie Laubhefter und -schneider, Entlauber, Vorschneider für den Winterschnitt, Grubber, Kreiselegge oder das Pflanzenschutzsprühgerät. Handelsübliche Geräte werden dem Satelliten angepasst, wobei Obrecht mit der Maschinenbaufirma Ritter aus Zell am Harmersbach kooperiert. Die Seilwinde ist an einem Trägerfahrzeug angebracht, womit der Satellit und die Aufbaugeräte auch in den Weinberg transportiert werden. Dieses Trägerfahrzeug wird als vom Schlepper gezogener Einachsanhänger oder als Zweiachsanhänger mit eigenem Antrieb angeboten. Der Anwender lenkt den Satelliten und steuert das jeweilige Aufbaugerät mit einem Multifunktions-Joystick. Josef Obrecht wendet das System in den eigenen Reben an und als Lohnunternehmer im Auftrag anderer Winzer. Über die Ortenau hinaus findet es zudem Nachfrage in anderen Weinanbaugebieten mit extremen Steillagen, etwa an der Mosel, in Franken und am Mittelrhein.
Nun hat Josef Obrecht die Anwendung seines Steilhang-Mechanisierungssystem wesentlich vereinfacht, indem er eine Funkfernsteuerung am Trägerfahrzeug angebracht hat. Es handelt sich um eine Empfangs- und Steuereinheit, wie sie auch zur Funksteuerung eines Baukrans angewandt wird, aus der Produktion der Firma HBC-radiomatic GmbH mit Sitz in Crailsheim. Der große Vorteil ist, dass der Anwender nicht mehr auf dem Satelliten mitfahren muss, was mit einem gewissen Unfallrisiko und bei dem oft holprig-felsigen Untergrund im Weinberg mit einer hohen körperlichen Beanspruchung verbunden ist. Weiter bleibt er bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln davor bewahrt, den Sprühnebel einatmen zu müssen. Abgesehen davon lässt sich durch die Funksteuerung die Schlagkraft erhöhen, weil die Wendezeiten am Ende der Rebzeilen deutlich kürzer sind und die Fahrgeschwindigkeit erhöht werden kann. Als Josef Obrecht vor drei Jahren begonnen hat, den Geräteträger zu verbessern, hat er von Anfang an die Absicht verfolgt eine solche Funksteuerung einzubauen. In diesem Jahr nun hat das erneuerte System Praxisreife erlangt. Josef Obrecht hat in seinen Rebanlagen alle Pflanzenschutzmittelanwendungen und das Mulchen, das mit einer Unterstockherbizidbehandlung verbunden ist, mit dem funkgesteuerten Geräteträger ausgeführt. „Denn bei diesen Arbeitsgängen ist eine hohe Fahrgeschwindigkeit möglich“, erklärt er. Der neue Geräteträger ist zudem mit einer Reihenendeerkennung ausgestattet, was bei sehr langen Rebzeilen wichtig ist oder wenn Trockenmauern die Rebparzelle begrenzen, weil der Anwender ja am Trägerfahrzeug auf dem Rebbergweg verbleibt.
Die Jury fasste zusammen: Die Funkfernsteuerung hat sich bewährt. Die Flächenleistung erhöht sich, der Anwender wird entlastet und das Unfallrisiko wird vermindert.
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