Horizontal-Federstahlklappbügel für den Weinbau



Jahr: 2008
Platzierung: Zweiter Platz
Kategorie: Landwirtschaft
Preisträger: Josef Pfeifer
Innovation:

Diese Innovation bewirkt im Weinbau eine erhebliche Arbeitserleichterung und erhöht die Effizienz der Laubarbeiten. Der Landwirt und Winzer Josef Pfeifer aus Sasbachwalden im Ortenaukreis hat einen Klappbügel konstruiert, der es erlaubt die Fangdrähte für die Rebentriebe stufenlos zu arretieren. Federstahlbügel üblicher Bauart können Drähte nur auf jeweils einer Ebene aufnehmen. Winzer, die damit die Rebentriebe auf der gesamten Höhe der Laubwand sichern wollen, müssen demnach mehrere Bügel installieren.
Josef Pfeifer selbst hatte lange Zeit mit solchen Fangbügel gearbeitet. „Das Problem war jedoch, dass beim Zusammenklappen eine Menge Triebe herausgerutscht sind, weil sie doch noch zu kurz waren“, erzählt er. Als grundlegende Schwäche des herkömmlichen Systems hat er zudem festgestellt, dass sich das Niveau der Drähte entsprechend des topografischen Verlaufs der Rebzeilen verändert. „Bei einer Kuppe waren die Drähte zu niedrig, bei einer Mulde hingegen zu hoch im Vergleich zum sonst geraden Verlauf der Rebzeile“, erklärt Pfeifer.
Die zündende Idee war, einen Bügel anzubringen, der sich horizontal und nicht in senkrechter Richtung zuklappen lässt. Die Konstruktion sieht einen U-förmigen Halte- und Dehnbügel aus Federstahl vor, der am oberen Ende des Rebenpfahls befestigt wird. Der Bügel setzt sich auf beiden Seiten fort bis zum gewünschten Abstand der Paralleldrähte voneinander (zwischen 20 und 40 Zentimeter) und geht in einen etwa 75 bis 80 Zentimeter langen senkrecht nach unten gestreckten Teil über, der dann wiederum in einer Höhe von 30 Zentimeter über den Bogenruten am untersten Draht zum Pfahl zurückgeführt wird. Die Konstruktion besteht aus einem einzigen gebogenen Stück Federstahl, sie ist zugleich stabil und elastisch.
Fixiert werden die Fangdrähte beidseitig an den vertikalen Abschnitten mit praxisüblichen Halterungen, wie sie beispielsweise zum Befestigen von Pflanzstäben am Spanndraht des Drahtrahmens verwendet werden. Josef Pfeifer hat in seinen Reben drei parallele Fangdrähte angebracht, weitere sind möglich. Die Rebentriebe wachsen unwillkürlich zwischen den Fangdrähten nach oben. Sobald sie kippen, kommt der Winzer und schiebt die untersten Fangdrähte beidseitig in Richtung Pfahl. Die Bügel aber bleiben vorerst nach oben offen. Zwischen den Pfählen lassen sich die Drähte mit handelsüblichen Heftklammern zusammenhalten. Haben die Triebe das obere Ende des Drahtrahmens erreicht, werden die Bügel mit einem integrierten Haken geschlossen; nun sind die Triebe auf ihrer gesamten Wuchshöhe gesichert, weil regelrecht umklammert. Weil die Bügel aus elastischem Federstahl bestehen, kann der Winzer in der Traubenzone auf einfache Weise Lockerung bewirken, indem er die Heftklammern an den untersten Fandrähten wieder entfernt. Es empfiehlt sich unmittelbar nach der Traubenlese die Bügel wieder zu öffnen bevor die Ranken verholzt sind.
Josef Pfeifer wendet die selbst konstruierten Bügel seit drei Jahren in den eigenen Reben an und ist begeistert davon, wie zeitsparend und effizient sich die Heftarbeit erledigen lässt. Einen weiteren Vorteil sieht er darin, dass die Arbeitsspitze im Frühsommer gebrochen wird. „Die Triebe können nicht anders als senkrecht nach oben wachsen. Und selbst bei einem Unwetter oder einem Sturm brechen sie nicht ab“, sagt er. Im Juli hat das Münchner Patentamt seinem Antrag auf Gebrauchsmusterschutz entsprochen und bereits angelaufen sind Gespräche mit einem Metallverarbeitungsbetrieb über eine Serienfertigung. Der Horizontal-Federstahlklappbügel ist die fünfte Erfindung, die Josef Pfeifer zur Praxisreife geführt und für die er Gebrauchsmusterschutz beantragt hat. Bereits vor 30 Jahren baute er einen Schleuderdüngerstreuer für den Weinbau so um, dass sich Kompost damit verteilen ließ, wenig später entwickelte er ein Gebläse zur Reinigung von Brennobst mit angebauter Schneckenpumpe, womit sich das Obst auf Feld von Blättern und Holzresten trennen lässt. Dann hat er eine Saugturbine, einen Zyklonabscheider und eine Schleuderpumpe zu einer Maschine zusammengebaut, die angetrieben von der Zapfwelle des Traktors Mostobst vom Boden aufsaugt, reinigt und während des Reinigungsvorgangs in den Transportbehälter befördert. Jüngst hat er ein Spezialschar für das Maissägerät konstruiert, womit sich die Schlepperabgase dicht neben den Saatkörnern in den Boden einleiten lassen mit dem Ziel, den Boden zu erwärmen. Der 52-jährige Landwirtschaftsmeister bewirtschaftet in Sasbachwalden einen 60 Hektar großen Betrieb, er kultiviert Chinaschilf zur energetischen Nutzung, Körnermais und Getreide, Reben und Steinobst.
Das Fazit der Jury zum Horizontal-Federstahlklappbügel lautet: Der Bügel bietet insbesondere im Steillagenweinbau eine praktikable Lösung und bewirkt eine große Arbeitserleichterung. Die Beantragung des Gebrauchsmusterschutzes und die Zusammenarbeit mit einer Herstellerfirma belegen, dass der Erfinder mit großer Ernsthaftigkeit bestrebt ist, Marktreife zu erlangen.

 



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