Aus Tierfreunden werden Kuhbesitzer



Jahr: 2007
Platzierung: Dritter  Platz
Kategorie: Landwirtschaft
Preisträger: Martin Ganz
Homepage: www.haeuslemaierhof.de
Innovation:

Diese Idee ist nachahmenswert, meinten die Juroren. Bei Martin Ganz aus Buchenbach gibt es die Gelegenheit Hobbylandwirt zu werden, ohne einen eigenen Betrieb zu besitzen. Zwei Frau und zwei Männer haben sie bereits genutzt. Sie haben jeweils eine Kuh gekauft und kümmern sich auch um ihre Tiere soweit es ihre Zeit erlaubt. Der Hintergrund: Vor einem Jahr bot sich Martin Ganz die Möglichkeit eine komplette Mutterkuhherde der Rasse Deutsch-Angus zu erwerben. Seinen eigenen Bestand an Vorderwälderkühen hatte er in den Jahren zuvor stetig verringert, hatte seine Weiden jedoch in den Sommermonaten der Jahre 2005 und 2006 einem Milchkuhhalter als Jungviehweide zur Verfügung gestellt. Die Pensionsviehhaltung oder die Mutterkuhhaltung sind derzeit die einzigen Möglichkeiten die Weiden des Häuslemaierhofs zu bewirtschaften; der Betrieb umfasst 20 Hektar Grünland und Ackerfläche und fünf Hektar Wald. Buchenbach liegt an der Ostkante des Schwarzwaldes, die Flächen sind zum Teil sehr steil. 

Fremde Tiere in Pension zu nehmen war Martin Ganz’ Sache nicht. „Die Tiere gehen am Ende des Sommers wieder, so dass keine Beziehung entsteht“, erklärt der Landwirt. Dabei war ihm erst richtig bewusst geworden, was ihm der eigene Tierbestand bedeutet. „Kühe zu haben gehört für mich zum Landwirtssein dazu“, sagt er. Von daher war es beschlossene Sache, die Mutterkuhhaltung wieder auszuweiten. Wie aber die neue Herde finanzieren? Die Idee war, Leute zu finden, die genauso wie er selbst Freude daran haben, eine Kuh zu besitzen. Darauf gekommen ist Martin Ganz durch die Pensionspferdehaltung auf dem eigenen Hof. Vier Reitpferde sind auf dem Häuslemaierhof untergestellt. Möglicherweise lassen sich auch Leute finden, die Spaß daran haben, eine Kuh zu besitzen und sich in ihrer Freizeit auch darum zu kümmern, dachte er sich.

Ganz inserierte in einer lokalen Zeitung und warb in seinem Bekanntenkreis, über ein Plakat im Hofladen und mit einem Auftritt auf dem Wochenmarkt einer Nachbar-gemeinde für seine Idee. Vier Verträge waren zustande gekommen, wonach die Interessierten eine Kuh zum Preis von 950 Euro erworben haben und Martin Ganz den Ertrag der Tiere, die Schlachtkälber erhält, um die laufenden Kosten der Tierhaltung zu decken. Demnach bezieht der Landwirt keinen unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen aus den vier Kühen, wobei die Mutterkuhhaltung insgesamt kein lohnendes Geschäft ist. Martin Ganz sieht jedoch darüber hinaus andere Vorteile und positive Wirkungen. „Es gibt Leute, die träumen ein Leben lang davon in der Landwirtschaft zu arbeiten. Auf diese Weise bekommen sie die Gelegenheit dazu“, erzählt er. Die Kuhbesitzer bringen neue Ideen, Kenntnisse und Fertigkeiten in den Betrieb ein, gewinnen selbst Einblick und damit auch ein Bewusstsein für die Bedeutung der Landwirtschaft in einer Region wie dem Schwarzwald. Mit einer Frist von vier Wochen lässt sich der Vertrag von beiden Seiten kündigen.

Der Kuhverkauf passt in das Betriebskonzept des Häuslemaierhofs. Martin Ganz und seine Frau Emily Ganz ergänzen das Einkommen aus der verhältnismäßig kleinen Landwirtschaft mit der Vermietung von zwei Ferienwohnungen, mit Stellplätzen für Reitpferde und mit Freizeitangeboten für Familien mit Kindern. Selbst sind sie Eltern von vier Kindern. Das Fleisch ihrer Schlachtkälber vermarkten sie vollständig über einen Hofladen. Martin Ganz, 36, hat nach dem Studium der Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Nürtingen den Betrieb 1997 von seiner Mutter übernommen. Er war von 2000 an sechs Jahre lang Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Junger Bauern im Bund Badischer Landjugend. In dieser Zeit war eins seiner Schwerpunktthemen, Wegen und Formen zu finden, dass die Bevölkerung ein Wir-Gefühl mit den heimischen Erzeugern entwickelt.

Die Jury fand, Martin Ganz habe eine gute Lösung gefunden zur Mitfinanzierung seiner Kuhherde, die die Kundenbindung verstärkt und öffentliche Wahrnehmung gefunden hat. Zeitungs-, Radio- und Fernsehberichte sind der Beleg dafür.

 



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